Going East

25. Mai 2010

Staatsschauspiel Dresden: Don Carlos

Das hier ist ein kleiner Wink. Ein erstes Zeichen für das, was ab Juli kommt: Dann ist es nämlich vorbei mit diesem Blog. Dann ist die Autorin in Dresden und schreibt dort weiter, allerdings hat sich dann nicht nur der Name dieses Blogs erledigt, sondern auch seine Idee. Ist ja schon lange nicht mehr so wie am Anfang: Drei, vier Mal die Woche im Theater, wer schafft das schon?

Jetzt also schon mal ein Vorgeschmack in Dresden, im altehrwürdigen Staatsschauspiel. Eine Inszenierung, deren Besetzung Oscar-Größe verspricht: Zwei der Darsteller, Burghart Klaußner und Christian Friedel, haben auch im »Weißen Band« mitgespielt. Man durfte also einiges erwarten, und die einhellig begeisterten Kritikerstimmen schoben das dann noch mal an.

Also, zuerst: Klaußner war ein wenig enttäuschend. Er spielte Philipp II. unklar, als würde er auf irgendetwas warten. Nur an wenigen Stellen kam das heraus, worauf man sich gefreut hatte: Dieses herrische Gift, diese unerträgliche Härte, die er auch in Hanekes Meisterwerk in aller Perfekton verkörpert hatte. Dann wieder blieb er sehr unter seinen Möglichkeiten, das war wirklich schade.

Friedel dagegen: Großartig. Sowieso, die Jungen: Wie ein lebendiges Gebilde harmonisierten sie miteinander, spielten die psychologisch ungeheuer komplizierten Verstrickungen, als seien sie eine wabernde Amöbe, die ihre Gestalt immer wieder ändert und je einen zur empfindlichsten Stelle kürt. Mal ist es Posa, der Verbündete sucht und nur auf Romantiker trifft, mal Carlos, dessen Emotionen eine ganze Revolution zerstören, dann wieder die liebenden Frauen in all ihrer Demut.

Obwohl die dreieinhalb Stunden am Ende ganz schön lang waren, obwohl das obligatorische Rumgeballere nicht hätte sein müssen: Das war eine solide, Inszenierung. Klassisch, aber nicht staubig. Modern, aber nicht effektüberladen.

Da geh ich nun also hin. Bald. Was dann kommt? Abwarten.

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Krieger des Glücks

25. Mai 2010

Centraltheater: Die Nacht, die Lichter

Ich war mal nicht in der Premiere, auch was Neues. Auch kein »professionelles« Schreiben danach darüber. Vielleicht habe ich deswegen anders gesehen als andere Kritiker, die zum Teil ja sehr enttäuscht waren.

Wie soll man Meyer auch inszenieren? Wie soll man diese Liebe für die Figuren auf die Bühne bringen, ohne Voyeur zu sein? Wie beschreiben, ohne sie als Opfer ihrer Zeit darzustellen? Man kann nur versuchen, sie irgendwie zu erahnen, sie am Rockzipfel zu fassen und dann nicht mehr loszulassen.

Dass es dann manchmal ein bisschen sehr albern wird, gehört vielleicht zu einer ordentlichen Centraltheater-Inszenierung dazu, zumal wenn der Regisseur einer von den “jungen, wilden” ist. Da muss dann auch mal ordentlich rumgezappelt und gebrüllt und in Stöckelschuhen getanzt werden.

Aber diese Musik! Immer wieder dieser Song von den Castanets, den, wenn er gekonnt hätte, Clemens Meyer sicher am liebsten selbst über all seine Geschichten gelegt hätte. Zum Weinen. Zum Hinlegen und Augen zumachen.

Meyers Figuren sind Krieger des Glücks. Sie lassen sich nicht unterkriegen und begehren doch nicht auf. Sie sind bewegungslos und bleiben doch nicht stehen. Weil irgendetwas sie doch immer weiter treibt. Martin Brauers sehndender Blick und Hagen Oechels Getrampel: Alles Kämpfe für die Hoffnung.

Darum lieben wir Meyer, und dafür hat sich auch diese Inszenierung gelohnt: Weil sie es uns erlaubt, hemmungslos melancholisch zu werden. Danach bleiben wir sitzen und atmen noch ein bisschen. Im stillen Nachhall dieses Liedes.

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Vaterland ist abgebrannt

15. März 2010

Centraltheater: »Das Fest«

Hinterher kommen immer diese Vergleiche: Wie der Film war das aber nicht. Oder: Das war ja genauso wie der Film! Also bittesehr. Es ist eben ein Theaterstück und kein Film. Kaum zwei Medien unterscheiden sich so gravierend voneinander wie diese beiden, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. In Wahrheit ist die einzige Gemeinsamkeit, dass Menschen Geschichten spielen. Das wars dann aber auch schon.

Wie der Dogma-Film war es nun wirklich nicht. Wie denn auch? Die Kamera, die stur gerade auf die unerträglichen Szenen draufhält. Das gewollt Authentische, die Verleugnung des Mediums Film. All das war damals Programm - heute sagt Vinterberg, der Regisseur des Films »Das Fest« selbst: »Dogma ist tot«. Und inszenierte prompt in Wien die Fortsetzung, in der die Geschändeten selber schädigen. Aber dazu mehr an anderer Stelle.

Am Donnerstagabend stand erst mal Christian vor dem Haus seiner Kindheit und betrachtete die Felder. Christian ist zurück in seinem „Vaterland“, wie er es nennt. Später werden wir wissen: Damit meint er nicht Dänemark, nicht das Land, in dem er aufgewachsen ist. Sondern das Haus seiner Kindheit, ein Haus voller Schmerzen.

»Helge ist ein sehr säuberlicher Mann«, so beginnt das Drama. Nein, eigentlich hat es schon Jahre zuvor begonnen, als der Vater seine Kinder missbrauchte, vergewaltigte, immer wieder. Die feine Geburtstagsgesellschaft will dieses Geständnis am liebsten ignorieren – „Skól!“ –, und feiert einfach weiter.

Anfangs stimmen die Pointen nicht so richtig, die Schauspieler wirken sehr gestellt. Doch dann verdichtet sich der Psychoterror auf der blumentapezierten Bühne immer mehr, bis es einem die Kehle zuschnürt. Und je mehr der Deckel hochblubbert, desto mehr besaufen sich die Gäste, stopfen smalltalkend Häppchen in sich hinein.

Das Stück wurde in den Spielplan gebracht, bevor die Debatte um die Missbrauchsfälle an katholischen (und anderen) Schule bekannt wurden. Kalkül ist diese Aktualität also nicht. Und eigentlich kann dieses Thema auch keine so genannte Aktualität haben – ist es denn nicht immer aktuell? Befördern nicht die Medien gerade eine Debatte zutage, die immerzu geführt werden müsste? Die viel zu wenig geführt wird, und auch das Theater scheut sie.

Ohne platte Bezüge herzustellen, schafft die Inszenierung aber genau das, was heutiges Theater tun muss. Sie reibt auf, strengt an, sorgt dafür, dass ein jeder Zuschauer sich fragen muss: Wovor verschließen wir unsere Augen, weil wir nicht wollen, dass die mühsam konstruierte Ordnung in unserem Leben Brüche erfährt?

Am Ende sitzt eine entzweite Familie beim Katerfrühstück. Vögel zwitschern im Morgenlicht. Vaterland ist abgebrannt.

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Kein Leipzig in Berlin

15. Februar 2010

Die Gewinner des Berliner Theatertreffens stehen fest:

http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/03_theatertreffen/tt10_auswahl/tt10_auswahl.php

Und keine Leipziger Produktion ist dabei, wie schade. Wo doch Don Juan letztes Jahr auch schon vorbei geschrammt war. Und diesmal hätten wir den Kirschgarten so gern dort gesehen.

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Fest der Bespielbühne

12. Februar 2010

nachtkritik.de hat ein “alternatives” Theatertreffen ausgerufen - und das Ergebnis steht jetzt fest. Keine Leipziger Inszenierung ist dabei, aber doch eine andere Beobachtung lässt sich machen: Freie Theaterbühnen schneiden ziemlich gut ab (im Gegensatz zum “normalen” Theatertreffen).

Zwar ist es ein bisschen seltsam, dass das gerade bei nachtktitik passiert, die äußerst selten freie Produktionen besprechen (und wenn dann nur die “etabliert” freien, wie Signa etc.) - aber vielleicht ist es ja auch ein Zeichen. Dass irgendwann die Zeit dieser schwerfälligen, zum großen Teil verknöcherten Subventions-Handhabe abgelaufen sein wird.

Denn es macht doch vielleicht mehr Sinn: Mit klug eingesetzten Projektgeldern von Ort zu Ort zu tingeln, immer wieder neue Künstler einzuspannen, an anderen Orten zu spielen - und frei zu sein von lokalen und vor allem Auslastungs-Zwängen.

Denken wir doch mal die Utopie: Alle festen Theater werden zu rein technischen Bespielbühnen, mit einem großen KBB, das die einziehenden Truppen organisiert. Das Geld kann dann einzig und allein für die Projekte verwendet werden und versickert nicht in dem großen Kahn Theater mit seinem aufgepumpten Verwaltungsapparat.

Wär das was?

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Nichts hallt nach

1. Februar 2010

Centraltheater: Medea

Manche Kritiken dauern ein bisschen, manche Meinungen haben einen langen Weg.

Sophie Rois als Medea, oder Medea als Sophie Rois - einige Wochen danach denke ich mir: So hätte man das nicht machen dürfen. Denn es ist nichts hängen geblieben. Außer dieser krächzenden Stimme, dieser unglaublichen Frau. Der man stundenlang zusehen kann und dann nichts weiter braucht.

Problem: Kann man Medea so spielen? So, dass man nichts mehr braucht als die Frau, die Medea gibt? Muss da nicht noch viel mehr rein, die ganze Tragik, der politische Akt, die Erschütterung einer ganzen Gesellschaft, die in dieser Tragödie Ausdruck findet?

Bei Sophie Rois’ Medea geht es nur um Sophie Rois. Die Inszenierung lässt blasse Neben(und auch Haupt-)Rollen übrig, einen albernen Chor, eine Bühne, die nichts braucht als diese knochige, schreiende Gestalt vor sich. Das ist auch eine Entscheidung. Für den Stargast.

Und dann hallt nichts nach. Sophie Rois in Leipzig, und sie kriegen sich alle nicht mehr ein vor Freude darüber, auch ich. Wenn man aber an den Abend zurück denkt, dann fühlt man nichts mehr von Medea. Man hört nur Sophie Rois.

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Fällt die Kirschbäume

19. November 2009

Centraltheater: Der Kirschgarten

Ich liebe Tschechow. Sehr sogar. Ich liebe diese melancholische Stimmung, diese Lethargie, dieses laute Lamentieren und diese Sehnsucht, die immer um sich selbst kreist.Bisher haben bei einer Tschechow-Inszenierung für mich viele dicke Teppiche und schwere Eichenmöbel auf die Bühne gehört, und obwohl ich naturalistisches Theater verabscheue, freute ich mich, wenn Irina sich an den Hals fasste und wehleidig rief: »Moskau, Moskau!«

Ich stehe dazu: Ich bin ein Fan von Peter Stein und diesem ganzen alten Tschechow-Gehabe. Bleibe ich auch. Trotzdem hat sich etwas geändert, seit ich Hartmanns Kirschgarten im CT gesehen habe.

Das war eine Zumutung für eine wie mich, die immer froh ist, wenn im Programmheft steht: 90 Minuten ohne Pause. Diesmal stand da 3 1/2 Stunden, 1 Pause, und noch dazu war das alles eine Zumutung. Viel Lärm, viel Geschieße, viel Absurdität. Absolute Textdekonstruktion, albernes Rumgehüpfe. Nervig, anstrengend, auch ich habe irgendwann angefangen, mich auf meinem Sessel hin und her zu winden.

Aber mal ehrlich: Nur so kann man heute Tschechow inszenieren. Denn ist es nicht absurd, dieses Hinausschieben des Endes, ist sie nicht vollkommen albern, diese Endzeitromantik? Mit Selbstmitleid kann man heutzutage niemanden mehr beeindrucken, aber das konnte man einst, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Kirschgarten seine Uraufführung hatte, auch schon nicht. Darum steckt auch so viel Komik, so viel Absurdität in dem Stück - es ist nur konsequent, diese auch so zu inszenieren.

Diese Welt, in der ein bewaffneter Nahkampf nichts anderes ist als ein Spiel, ein ermüdendes Schaukämpfen, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Kirschbäume zu fällen. Bis man nichts mehr wiedererkennt vom Garten - und dann vielleicht das sieht, worum es wirklich geht: Um die Erde, auf der dann neues wächst.

Ach so: Die einzige, die fehlte, ist Anita Vulesica. Neben Lawinky ist sie diejenige im Hartmann-Team, die in all der Gewalt und Klamaukerei die nötige Melancholie hinein bringt - und zwar nicht durch den Text, sondern durch ihre pure Anwesenheit.

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euro-scene-Eröffnung

Jetzt habe ich sie verstanden. Jahrelang war mir Ann-Elisabeth Wolff ein Rätsel - nun meine ich, sie begriffen zu haben.Denn diese Eröffnung gestern, »Point of Eclipse« des Cullberg Ballet in der Oper, war ein so berührendes und erschauerndes Tanzstück, wie es sich eigentlich gar nicht für eine Festivaleröffnung eignet. Dunkel, hell, Mond und Sonne, und dazwischen die um Luft ringenden Gestalten, oder sind es viel mehr: Amöben?

Obwohl der Tanz wenig unkonventionell (und leider manchmal auch extrem unsynchron) war, enstand da doch eine Choreografie, die einen seltsam berührte, ja traurig machte. Und in einem winzigen Moment wurde es mir klar, was es heißt, dass Ann-Elisabeth Wolff dieses Stück für die Eröffnung ihres Festivals ausgewählt hat. Ich meinte zu ahnen, was sie gefühlt haben muss.

Vielleicht ist sie ja einfach ein sehr melancholischer Mensch. Emotional sowieso, extrem weich und instinktiv. Aber eben auch sehr melancholisch, vielleicht ein bisschen traurig? Kommen daher auch die manchmal etwas »unprovokant« anmutenden Stücke, die sie einlädt? Die dann aber ganz viele Abgründe und Momente haben, in denen man versinken mag? Und das hat ja durchaus seine Berechtigung.

Wie sie sich bei der anschließenden Eröffnungsfeier von Burkhard Jung in den Arm nehmen ließ, sich förmlich an ihn kuschelte, als er ihre Leistung hervorhob, das war dann ja auch sehr rührend.Ich bin jedenfalls froh, dass mir dieses gelüftete Geheimnis den Einstieg in die 19. euro-scene etwas erleichtert. In diesem regennassen Herbst kann ein wenig Melancholie nicht schaden, mir jedenfalls nicht.

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Apropos: Woyzeck

28. Oktober 2009

Centraltheater: »Büchner/Leipzig/Revolte«

Etwas ganz Seltenes ist passiert: Eine Theaterinszenierung, nicht mal 90 Minuten lang, wird durch die letzten 45 gerettet. Alles, was davor passierte, ist bedeutungslos im Angesicht dessen, dass hier ein »Woyzeck« gespielt wird, den ich so noch nicht gesehen habe. Erstarrt spielt Jimmy Hartwig diesen Menschen, der an dem System zugrunde geht, um den sich die DDR herum laviert, um den Sündenbock, der sich nicht wehren kann. Bis zum Schluss, aber dann an der Stelle, an der es am wenigsten nützt. Dieser massive Leib mit der zarten Seele, die sich windet und kämpft, wie es Hartwig gelingt, diese Energie über eine Dreiviertelstunde zu halten, das sollte sich jeder, wirklich jeder, ansehen.

Und damit wird auch das wieder gut gemacht, was vorher nicht so richtig funktioniert, und das schafft eine Inszenierung ja selten, am Ende noch die Kurve zu kriegen.

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Sphinxengleiche Kriegerinnen

26. September 2009

Theater der Jungen Welt: Schwarze Jungfrauen

Dieses Jahr in der Türkei, der Besuch einer Moschee: Nach und nach tröpfeln die Gläubigen in den Raum, wie selbstverständlich ziehen sie ihre Schuhe aus, stecken sie in Plastetüten, suchen sich einen Platz. Stehen kurz, gen Osten gewandt, wie wartend. Dann beginnt das Ritual; mit den festen Handbewegungen, dem Niederknien, dem lautlosen Lippenbewegen. Zwischendurch pesen Kinder durch die Moschee, ihre bestrumpften Füße hinterlassen ein dumpfes Pollern im Raum, der ansonsten angefüllt ist mit leisen Wortfetzen. Ja, die Frauen beten anderswo, in einem für sie zugewiesenen Bereich. Aber auch ihre Andacht: Voller Friede.

Und dann gestern im Theater der Jungen Welt: Sechs Monologe junger Muslimas, geschrieben von Feridun Zaimoglu, ein viel diskutierter Text. Radikale Worte von sechs jungen Frauen, die in Deutschland leben und dieses Deutschland bekämpfen. Die Texte sind entstanden aus Interviews, die Zaimoglu mit den Frauen geführt hat, und ihre Authentizität ist bestechend. Und doch gibt es ein Problem an diesem Abend, und das liegt, man kann es nicht anders sagen, in der Inszenierung.

Sechs junge Regisseurinnen, zum Teil noch studierend, haben die Monologe mit je einer Schauspielerin inszeniert. Da sind zweifelsohne Talente dabei, und die Regieideen einige auch beeindruckend (die blonde Frau, die sich die arabischen Zeichen mit pechschwarzer Tinte auf die nackte Haut pinselt, sich selbst zur Botschaft macht, oder die zweifelnde, korpulente Muslima, die mit ihren eigenen, verwirrten Gedanken als Audioeinspielung konfrontiert wird). Eins ist ihnen jedoch bis auf eine Ausnahme eigen: Sie stecken so voller Aggressivität. Ist es das, was Jugendlichen vom Islam präsentiert werden soll, noch dazu in Lindenau, einem Stadtteil, das seit einiger Zeit mit der aufkommenden Überpräsenz rechter Gewalt zu kämpfen hat?

Sicher gibt es sie, die kampfbereiten Frauen, die, boxerinnengleich, auf der Suche sind nach Widerstand, um ihn mit purer Körpergewalt zu zerstören. Nichts Neues auch die türkischen Tussis mit ihren sphinxengleich geschminkten Augen unterm Kopftuch, die ohne mit der Wimper zu zucken Terroranschläge auf die westliche Welt preisen. Aber kann es ein differenziertes Bild entstehen lassen, wenn diese Frauen allesamt in einer Stimmung inszeniert werden, und dies nahezu bruchlos: Als protestbereite und radikale Kämpferinnen im Namen Gottes?

Da tut die Darstellung der konvertierten Deutschen am Ende gut, die ganz ruhig von der Faszination berichtet, die der Islam mit seinem Frieden ausübte und ihr schließlich eine Richtung geben vermochte. Die meisten der Monologe allerdings sind auch in ihrer Inszenierung gefüllt mit Hass, das Spiel, die Regie setzen dem Text nichts entgegen und verpassen damit die Chance, die Radikalität zu differenzieren. Es geht hier nicht um falsche Toleranz oder zu viel Political Correctness, es geht darum, auch “solche” Frauen von einer anderen Seite zu betrachten, um wenigstens eine Idee davon zu bekommen, was sie zu dem werden ließ, was sie sind. Das schaffen nur zwei von sechs Inszenierungen. Denen zuzuschauen allerdings ist eine umso größere Freude.

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