Centraltheater:  »The Black Rider. Casting of the Magic Bullets«

War ja klar, dass es Hartmann vorgeworfen wird, wenn er statt Pups-Macbeth und Chaos-Matthäuspassion Leichtverdaulicheres ins Programm nimmt. Auch die Autoren dieses Blogs sind sich nicht einig darüber, ob wir das gut finden oder nicht. Andererseits: Gerade DASS wir uns nicht einig sind, ist doch ein Zeichen dafür, dass es immer noch provokant genug ist, was das Centraltheater veranstaltet.

Zuletzt also: »Black Rider«, nach dem Originaldesign von Robert Wilson. Schon klar, das war weder wild noch annähernd riskant, Jorinde Dröse das Musical inszenieren zu lassen. Aber irgendwie tut es doch gut, dass sich in das Repertoire so langsam auch pure, gut gemachte Unterhaltung gruppiert. Ein Stadttheater nur mit Krawall, das gäbs doch auch wieder Krach und Schelte.

Und Wilson, meine Güte, Wilson ist nie verkehrt! Zusammen mit der Musik von Tom Waits sowieso nicht: »Go away, blow your brain out – November!«, und dann purzelt Guido Lambrecht vom Papphirsch, das war ziemlich brilliant und herrlich schräg

Jetzt reichts aber auch mit Musikabenden; mit der »Klimarevue« und »Black Rider« haben wir nun zwei (und wenn man die Skala mitzählt scheint es fast, als hätte das Centraltheater eine Musical-Sparte eröffnet). Als nächstes dürfen dann gerne mal wieder ein paar Füchse wie Kruse kommen, auch wenn die bisweilen anstrengend sind. Sollte nicht auch Pollesch gegen Ende der Spielzeit hier inszenieren?

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Centraltheater: »Arsen und Spitzenhäubchen«

»Arsen und Spitzenhäubchen«, das versprach Broadway-Amusement, spritzige Unterhaltung – wenn es gut gemacht ist. War es aber nicht. Sicher, einige Zuschauer kamen vielleicht auf ihre Kosten, als die Witzchen leicht vor sich hin plätscherten und die Schauspieler derart herumzuckelten, sodass der gewollte Slapstick-Effekt zum Ausdruckstanz wurde. Und warum musste man schon wieder das Theater zum Thema zu machen: Ja, die Welt ist nach wie vor eine Bühne, und wenn der Sprecher einer Theaterkritikerrolle auf den weltbedeutenden Brettern sagt, dass er gerade aus dem Theater kommt und etwas hinzufügt wie: »Dabei bin ich noch immer im Theater«, kann er nur noch ein müdes Lächeln ernten. Die ewige Wiederkehr des Gleichen verliert halt schnell ihren Reiz. Ansonsten: Hau drauf auf den Kritiker, der eh nichts kapiert, nur sein Ego streichelt und sowieso lieber Musicals als »ernsthaftes« Theater sieht. Die Menge tobt. Und ewig wird die Causa Spiralblock zitiert, ach Gottchen, wie lustig. Stadelmeier hätte sicherlich seine Freude daran gehabt. Doch Leipzig ist nicht Frankfurt, Gott sei Dank. Und Stadelmeier nicht überall.

Diesen ungaren Auswurf eines Komödienstücks kann doch keiner ernst nehmen bzw. ernsthaft lustig finden. Hartmann als dekonstruktiver Inszenator, unter dessen kreativen Händen die Texte zum Fragment zerfließen? Hartmann der Werkzertrümmerer, für den Klassiker nur Bergwerke darstellen, Rohmaterial fertig zum Abbau? Schön wär’s. So kommt »Arsen und Spitzenhäubchen« als halbherziger Versuch daher, sich beim Publikum anzubiedern. Frei nach der Punkcombo Hass: »Gebt der Meute was sie braucht.«

syrdon