Skala: Itspunk  

Ein paar schöne Punk-Weisheiten: »Ich liebe einfach das Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein und smart auszusehen.«
Oder: »Punkmusik bedeutet zu sagen, was man denkt.«
Oder auch: »Punk ist Wut-Theater.«

Und da wären wir doch an dem Punkt, wieso sich das Thema Punkmusik so gut für ein Theaterstück eignet: Weil alles daran mehr oder weniger gut gemachte Show ist. Die Kostümierung, die sich aus Fragmenten von Nazi-Symbolik, Hooligan-Schick und Anarchie-Style zusammensetzt. Die Bewegungen der Musiker, ihr Tanzstil: kontrolliertes Ausrasten, völlige Körperspannung, Vollrausch in hedonistischer Perfektion.It’s punk, als Stück »Itspunk«, und damit gibt Sascha Hawemann, den wir schon aus Magdeburg kennen, den man in Berlin aber anscheinend nicht kennt, aber kennt man in Berlin überhaupt jemanden anders außer Pollesch und Castorf; Hawemann gibt also mit dieser Inszenierung einen Vorgeschmack auf seine nächste große Leipziger Produktion: »Die Nacht. Die Lichter« als Uraufführung im Großen Haus. Geschichten von Clemens Meyer, auf der Bühne – und der Autor fand es wohl auch interessant, wer sich da an sein Buch ranwagen würde und war auch da bei der Premiere, wenigstens mal ein Promi in der Skala. Und obwohl Meyer ja nie irgendwas Böses tut, bekommt jeder Ort, an dem er sich befindet, automatisch irgendwie einen Hauch von Punk. Als würden sich alle insgeheim fragen, wo er wohl gerade herkommt, aus dem Bordell oder der letzten Schrammel-Kneipe in Anger-Crottendorf. Sagt natürlich nie jemand, dass er das denkt.

Auf der Bühne jedenfalls toben sich die Schauspieler die Seele aus dem Leib. Ein Kraftakt, viele der Songs der Rejects spielen sie komplett selbst – und das Urteil der Musikfachfrau hinterher: Zwar keine direkte Begeisterung, aber immerhin Anerkennung. Am Ende wurde es dann ein bisschen anstrengend, aber gut, Spaß muss man auch aushalten können.

Die Video-Projektionen vom Chemie-Fanblock, die habe ich nicht verstanden – was hat denn nun Westham United mit Chemie zu tun, kann mir das jemand erklären? Oder war das nur für Clemens Meyer?

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