Sei’s drum
15. Juli 2009
Deutsches Theater Berlin: Emilia Galotti
Achtung, was gleich kommt, wird enorm pathetisch sein. Der verehrte Leser wird sich angewidert abwenden und denken: “Erspart mir diese von ihren Emotionen getriebene semi-professionelle Theaterkritikerin!”
Doch das ist mir ganz egal! Es ist Sommer und ich stehe zu meinen Gefühlen! Und was gibt es auch darum herum zu reden, dass der unglaublichste Moment in Thalheimers “Emilia Galotti” folgender ist, ganz zum Ende des Stücks: Emilia, aller Ehre beraubt, dafür voll gespürten Lebens, steht in der Diagonalen auf dieser unglaublich hölzernen Bühne und schreit, in Richtung ihres Vaters: “Auch ich bin aus Fleisch und Blut! Auch meine Sinne sind Sinne!”
Weil zuvor jede Geste der Liebe so voller Kampf war, weil jedes Gefühl hervorgepresst oder mit Gewalt erzeugt werden musste, ist eben dieser Ausbruch so zum Schaudern. Huch, ich war selbst ein bisschen erschrocken davon, dass ich so wenig abgeklärt bin.
Und nein, ich schäme mich nicht dafür, dass ich in dieser allerletzten (!) Vorstellung dieser Emilia-Inszenierung, mit der sich Thalheimer auch vom DT verabschiete, siebzig Minuten im ersten Rang saß und keine Sekunde den Blick wenden konnte von diesem Terror da unten.
Ich schätze durchaus Kissenschlachten, aber es darf ruhig auch noch Gänsehaut geben im Theater. Auch, wenn ich damit meinen Ruf als knallharte Theaterkritikerin verspiele. Sei’s drum.
Sommertheater geht doch!
13. Juli 2009
Cammerspiele: Sommertheater
Ich habs dann doch noch mal probiert, und siehe da: gleich eines besseren belehrt worden. “Athen, Athen” (und so weiter), drei Inszenierungen, eine davon komisch, die zweite ziemlich cool, und die dritte, ja die dritte! Ich werde langsam zum Elisa Jentsch-Fan! Nach “Träumer” jetzt “Antigone”, und ich kann nur sagen: Sommertheater ohne Sommertheater-Desaster!
Ok, die Antigone-Darstellerin hat sich ein bisschen zu ernst genommen, und die Wächter waren auch ein bisschen schwer erträglich. Aber ansonsten waren wir schlichtweg begeistert von der Stärke, die die Laien-Darsteller hier mal wieder entwickelt haben. Was für eine in sich verkrampfte, in ihrer kindlichen Angst gefangene Ismene, was für ein öder, langweiliger Kreon, der seine eigenen Revolutions-Kindereien beweint.
Ich weiß nicht, ob es noch Interpretationen von Antigone gibt, die man noch nicht gesehen hat, und in einem Sommertheater erwartet man auch keine Lesart, die einem den Boden unter den Füßen wegreißt - man will schließlich einfach ordentlich Schenkel klopfen. Aber ehrlich: Hier kommt beides zusammen.
Also: hingehen, noch scheint die Sonne!
Sommer-Desaster
4. Juli 2009
Es ist so weit: Sommer. Ja nu, großartig - aber was ist mit Theater?
Nach den Sommertheater-Desastern im letzten Jahr verweigere ich mich. Mal sehen, wie kategorisch ich bleibe - aber im Moment treibt mich nichts auf die Freiluftbühnen der Stadt.
Dann doch lieber mein altbewährtes Karli-Drama: Vor der naTo sitzen und schauen, wer da so vorbei schleicht, stolpert, stolziert, in welchem Kostüm und mit welcher Geste. Spannender kanns in keinem Gohliser Schlösschen sein.