Theater statt Swingerclub

19. September 2009

 
Centraltheater: Germania Song  

Zuallererst: Verzeihung, dass es hier so lange nichts zu lesen gab. Der Sommer ist zwar eine schöne Jahreszeit, aber theatermäßig leider nur bedingt zu empfehlen. Ich habs genossen, bin an der Ägäisküste entlang gedüst und habe ein paar Wochen an keine Bühne gedacht.  

Und das erste Mal Theater hat mich dann auch gleich krank gemacht: »Germania Song« im Centraltheater, und einen Tag später liege ich mit ner fetten Grippe im Bett. Ok, der Gerechtigkeit halber muss ich sagen, dass es wahrscheinlich auch an den Viren lag, die um mich herumschwirrten, aber sechs Stunden Theatermarathon in einem nur mäßig beheizten Theaterfoyer, zwischen viel Zigarettenrauch und mit viel süßem Sekt und Wodka - da kann einem ja nur komisch werden. Ich muss gestehen, dass mich der Signa-Abend ein wenig enttäuscht hat.

Vielleicht hatte ich auch zu viel erwartet, denn wenn man von Signa hörte, las man von »Grenzerfahrungen«, davon, dass man selbst Realität und Fiktion nicht mehr auseinander halten kann, dass es zu verstörenden Szenen kommt… Mir ging es in keinem Moment so. Wenn man nicht die Kraft hatte, sich immer und immer wieder selbst in diese Grenz-Situationen zu bringen, war es aber eher wie ein enorm enervierendes, semi-spannendes Mitmachtheater, ein »Mord im Dunkeln«-Spiel unter dem Deckmäntelchen Kultur. 

Sechs Stunden versuchten wir, so gut wie möglich mitzuspielen. Einigen gelang das auch ganz hervorragend. Mir nicht und am Ende war ich dann doch wieder Zaungast einer kruden Theaterperformance, in der es ganz klare Zuschauer- Schauspieler-Verteilungen hab. Übrigens: ältliche Herren dabei zu erwischen, wie sie sich in der Ausnahmesituation endlich das herausnehmen, wofür sie sonst in den Swingerclub gehen müssten, das war dann irgendwann einfach ekelhaft. 

Aber gut, Signa im Centraltheater, das hat schon was. Freie Performance ist in Leipzig nun also im Stadttheater angekommen, da hat Hartmann nach ziemlich genau einem Jahr einen der wichtigsten Punkte wahr gemacht, die er damals zum Start angekündigt hatte.

Auf eine vergnügliche Spielzeit 2009/10!  

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Ein Kommentar zu “Theater statt Swingerclub”

  1. Theatergaenger sagt:

    War gestern bei der letzten Vorstellung dabei und blieb die ganzen sechs Stunden bis zum Schluß. Hatte vorher schon sehr viel gelesen und gehört von Leuten, die schon drin waren und war hin und hergerissen. Dass es entweder zu langweilig/unspektakulär oder zu nervenaufreibend/grenzwertig sein könnte. Ging also etwas voreingenommen und gewappnet in diesen Abend. Die folgenden Stunden vergingen dann aber regelrecht wie im Flug und es wurde mir nicht ein einziges Mal langweilig - im Gegenteil, ich verlor sehr oft meine Begleitungen aus den Augen und kam mit vielen fremden Menschen ins Gespräch. Und alleine der Chansonier und die gediegene Tanzmusik waren das Geld und den Abend wert. Leider gelang es auch mir nicht so richtig, mich vollkommen gehen zu lassen. Weder habe ich den Plot richtig verstanden, bzw. konnte den Geschichten folgen noch fand ich die plötzlichen dramatischen Aktionen angsteinflössend oder aufrüttelnd. Na ja, wahrscheinlich lag das an der umfangreichen Vorabinformation. Dennoch bot der Abend reichlich Unterhaltung und Kurzweil und interessante Begegnungen. Im Laufe des Abends wurde es dann, wie auch mehrfach in den meisten Kritiken erwähnt, freizügiger. Aber ehrlich gesagt gab es da auch nichts allzu Besonderes zu erleben. Ich hielt Ausschau nach lüsternen älteren Herren und musste verblüfft feststellen, dass so einige der weiblichen und jungen Besucher (denen man es am Anfang des Abends nicht unbedingt zugetraut hätte) regelrecht ihre Hemmungen über Bord warfen und sich teilweise ganz schön “gehen” liessen… (würde mir wünschen, die wären im echten Leben wenigstens ansatzweise so…). Zum Ende des Abends gab es dann eine finale Aktion, in der der Ball und die Performance insgesamt abgeschlossen wurden. Hierbei möchte ich allen Darstellern einmal ein Kompliment aussprechen, eine beeindruckende Leistung, die wirklich alle abgeliefert haben (und das an so vielen Tagen hintereinander). Zudem ganz schön mutig, was sie da so alles gemacht und gespielt haben. Mein persönliches Fazit: Bin froh, dass ich dabei gewesen sein konnte.

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