Apropos: Woyzeck
28. Oktober 2009
Centraltheater: »Büchner/Leipzig/Revolte«
Etwas ganz Seltenes ist passiert: Eine Theaterinszenierung, nicht mal 90 Minuten lang, wird durch die letzten 45 gerettet. Alles, was davor passierte, ist bedeutungslos im Angesicht dessen, dass hier ein »Woyzeck« gespielt wird, den ich so noch nicht gesehen habe. Erstarrt spielt Jimmy Hartwig diesen Menschen, der an dem System zugrunde geht, um den sich die DDR herum laviert, um den Sündenbock, der sich nicht wehren kann. Bis zum Schluss, aber dann an der Stelle, an der es am wenigsten nützt. Dieser massive Leib mit der zarten Seele, die sich windet und kämpft, wie es Hartwig gelingt, diese Energie über eine Dreiviertelstunde zu halten, das sollte sich jeder, wirklich jeder, ansehen.
Und damit wird auch das wieder gut gemacht, was vorher nicht so richtig funktioniert, und das schafft eine Inszenierung ja selten, am Ende noch die Kurve zu kriegen.
3 Kommentare zu “Apropos: Woyzeck”
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3. November 2009 um 23:58
Stimme dir zu, was du über Hartwig und den dritten Teil schreibst - fand ich auch ziemlich stark und beeindruckend.
Aber wieso wirkte das Vorangegangene nicht? Ich fand beides - den Film und den Chor - regelrecht überwältigend. Das gesamte Stück ist eines der besten von denen, die ich bisher in Leipzig erlebt habe.
10. November 2009 um 23:58
Ja, irgendwie wars schon auch beeindruckend - aber im Gegensatz zu dem, was danach kam, fand ich es theatral einfach schwach.
Aber ja: Eins der besten, das man in Leipzig seit langem erleben konnte. Wenn nicht gar das beste.
Grüße von foo
6. März 2010 um 03:36
War heute nochmal zur letzten Vorstellung. Ein Jammer, dass so wenige Menschen sich für das Stück interessiert haben. Kann dem Artikel im gestrigen Tagesspiegel zustimmen - an einem anderen Ort wäre es womöglich ein Erfolg gewesen. Was eventuell mit ein Grund gewesen sein kann, ist der Titel. Den fand ich nicht sehr treffend. Meiner Meinung hätte man die Thematik der Revolte mehr in den Mittelpunkt stellen und dann erst im Untertitel Wojzeck/Büchner und evtl. noch Leipzig erwähen sollen. Na ja, nun ist es eh egal - vorbei und Geschichte.