Alles schon gesehen?

28. November 2009

Cammerspiele: »Shoppen und Ficken«

Die hiesige Tageszeitung sagte tags drauf: Man kenne doch all diese Probleme schon. Dieses Verzweifeln an der Welt. Diese Selbstzerstörung. Das Nichtmehrweiterkönnen vor lauter Wünschen und Hoffen, diese Angst davor, sich der Realität stellen zu müssen.

Ist es denn möglich, dass es eine Kategorie ist: »Man kennt das alles schon«? Ist es nicht vielmehr so, dass Kunst immer und immer wieder das aufzeigen muss, was alle kennen? In immer anderen Schriften, in neuen Worten, in Bildern, die es so noch nicht gab?

Vielleicht können die Dinge nur greifbar werden, wenn sie in immer anderen Weisen aufgeschrieben werden.

Ich jedenfalls habe einmal wieder geweint im Theater. Das passiert ja nicht so häufig in diesen Zeiten, da man vor lauter Abgeklärtkeit und Zynismus nicht mal mehr ordentlich applaudieren mag. Und ich wünsche mir immer wieder immer mehr Theater, das mir die alten Fragen vorführt, bis ich es schaffe, sie mir selbst zu stellen – und sie nicht mehr trenne von meinem eigenen Bewusstsein, das immer wieder dazu neigt zu sagen: Alles schon gesehen.

Neben all diesen schweren Gedanken bete ich ein klein bisschen, dass Elisa Jentsch ganz bald auf ganz großen Bühnen inszeniert, damit sie noch mehr Platz hat für die Ideen, die aus ihr heraussprudeln.

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Ein Kommentar zu “Alles schon gesehen?”

  1. Theatergaenger sagt:

    Wann kommt denn mal wieder eine neue Kritik?

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