Krieger des Glücks

25. Mai 2010

Centraltheater: Die Nacht, die Lichter

Ich war mal nicht in der Premiere, auch was Neues. Auch kein »professionelles« Schreiben danach darüber. Vielleicht habe ich deswegen anders gesehen als andere Kritiker, die zum Teil ja sehr enttäuscht waren.

Wie soll man Meyer auch inszenieren? Wie soll man diese Liebe für die Figuren auf die Bühne bringen, ohne Voyeur zu sein? Wie beschreiben, ohne sie als Opfer ihrer Zeit darzustellen? Man kann nur versuchen, sie irgendwie zu erahnen, sie am Rockzipfel zu fassen und dann nicht mehr loszulassen.

Dass es dann manchmal ein bisschen sehr albern wird, gehört vielleicht zu einer ordentlichen Centraltheater-Inszenierung dazu, zumal wenn der Regisseur einer von den “jungen, wilden” ist. Da muss dann auch mal ordentlich rumgezappelt und gebrüllt und in Stöckelschuhen getanzt werden.

Aber diese Musik! Immer wieder dieser Song von den Castanets, den, wenn er gekonnt hätte, Clemens Meyer sicher am liebsten selbst über all seine Geschichten gelegt hätte. Zum Weinen. Zum Hinlegen und Augen zumachen.

Meyers Figuren sind Krieger des Glücks. Sie lassen sich nicht unterkriegen und begehren doch nicht auf. Sie sind bewegungslos und bleiben doch nicht stehen. Weil irgendetwas sie doch immer weiter treibt. Martin Brauers sehndender Blick und Hagen Oechels Getrampel: Alles Kämpfe für die Hoffnung.

Darum lieben wir Meyer, und dafür hat sich auch diese Inszenierung gelohnt: Weil sie es uns erlaubt, hemmungslos melancholisch zu werden. Danach bleiben wir sitzen und atmen noch ein bisschen. Im stillen Nachhall dieses Liedes.

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